Gewaltfreie Kommunikation

Wenn wir uns über Menschen ärgern, deren Verhalten uns missfällt, dann verpassen wir ihnen gerne ein Etikett.

Zum Beispiel sagen wir: „X ist arrogant!” Diese Einschätzung sagt jedoch weniger über X aus als über uns. Im Kern jeden Ärgers und jedes Urteils steckt meist ein unerfülltes Bedürfnis: Empfinden wir Michael als arrogant, sehen wir vielleicht nur unsere eigenen Fähigkeiten nicht genügend gewürdigt, oder wir ärgern uns über unsere eigenen Minderwertigkeitsgefühle. Nun versuchen wir X zu ändern. Doch Kritik und Urteile erzeugen nur Abwehr. „Bestenfalls” ändert X sein Verhalten aus Angst oder Schuldgefühl. Wobei Schuldgefühle oft nur dazu führen, dass sich X selbst nicht mehr mag - aber sein Verhalten bleibt gleich. Ändert X sein Verhalten aus Angst, ist nichts gewonnen, denn es gibt später nur neue Probleme. Wenn er sein Verhalten ändern soll, dann nur weil ihm diese Veränderung selbst nutzt.

Ein anderes Beispiel: Wir ärgern uns über jemandem, der bei einer Verabredung zum wiederholten Male unpünktlich ist. Marshall Rosenberg schlägt nun vor, sich an die folgenden vier Schritte zu halten:

1. Beobachtung

Man äußert seine konkreten Beobachtungen ohne zu bewerten. Nützlich: Bei unseren letzten drei Verabredungen warst du jeweils 15 Minuten zu spät … Weniger nützlich: Du bist ein unzuverlässiger Mensch … (Das wäre eine Bewertung und Verallgemeinerung.)

2. Gefühl

Man nimmt die eigenen Gefühle wahr und teilt sie genau mit. Nützlich: … und ich bin enttäuscht … Weniger nützlich: … und ich habe das Gefühl, dass du keinen Respekt hast … (Das ist keine Mitteilung über Gefühle, sondern ein Gedanke.)

3. Bedürfnis

Man identifiziert die eigenen Bedürfnisse, die das Gefühl ausgelöst haben. Nützlich: … weil ich die Bestätigung brauche, dass ich dir wichtig bin. Weniger nützlich: … weil mir deine Unpünktlichkeit Geringschätzung signalisierst. (Erklärung mit „weil du/deine”, statt mit „weil ich”) „Weil du” wäre richtig, wenn man durch Schuldzuweisungen manipulieren wollte. Weniger nützlich sind auch unpersönliche Pronomen wie: Es macht mich sauer, wenn … (Was andere sagen oder tun ist nie die Ursache unserer Gefühle, sondern nur deren Auslöser.)

4. Bitte

Man formuliert eine Bitte in klaren, positiven Handlungsaufforderungen Nützlich: Ich möchte dich deshalb bitten, zu unseren nächsten Verabredungen pünktlich zu kommen. Weniger nützlich: Wenn du bei der nächsten Verabredung wieder unpünktlich bis, dann … (Das wäre keine Bitte, sondern eine Forderung. Eine Bitte heißt, der andere kann auch nein sagen ohne dass Beschuldigungen, Kritisierungen, Verurteilungen oder Bestrafungen drohen.) Danach kann man sich noch erkundigen, wie die Bitte bei dem anderen angekommen ist: „Was denkst du darüber? Wärst du dazu bereit?

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Texter Eberhard Kohlhas