Schlagroutine

Die Schlagroutine – ein Modell zur Handlungsteuerung im Golfspiel

von Rainer Mund

  1. Machen Sie sich ein Bild von der Situation: Wie liegt der Ball, wo muss ich hin? Was kann ich? Die meisten Golfer wissen schon jetzt ziemlich genau was Sie tun wollen (Schläger, Schwunggedanke, etc.)
  2. Nehmen Sie nun Ihren Schläger aus der Tasche und machen Sie, wenn Sie wollen, am Ball einen Probeschwung. Wahrscheinlich bestätigt sich ihr erster Eindruck und findet mit dem Probeschwung und einem Blick auf das Ziel Bestätigung.
  3. Kehren Sie nun dem Ziel und dem Ball den Rücken zu. Das schafft nicht nur räumliche, sondern auch innere Distanz. Um sich zu orientieren, gehen Sie mehrere Schritte hinter den Ball. Jetzt haben Sie Distanz. Wo liegt der Ball, wo wollen Sie hin? Fühlen Sie schon die notwendige Bewegung? Dann können Sie souverän und endgültig entscheiden: »Ja, so mach ich’s«.
  4. Schauen Sie in sich hinein (man spricht auch von »Zentrieren«), wenden Sie ggf. eine Atemtechnik an. Erhöhen Sie die Konzentration. Störende Gedanken lassen Sie zu, nur dann verschwinden sie wieder. Machen Sie einfach weiter, so wie immer.
  5. Sie haben Ihre Entscheidung mehrmals überprüft und bestätigt. Benutzen Sie jetzt Ihre gesamte Persönlichkeit um die Entscheidung konsequent umzusetzen. Sie sind so wie Sie sind, deshalb sollten Sie weder zögern, noch etwas Neues überlegen. Stehen Sie zu sich und machen die folgenden Dinge (zum Ball gehen, Ausrichten und Schwingen) ungebremst.
    Hier beginnt der Kern der Schlagroutine; ab jetzt sollen alle Handlungen auch zeitlich immer gleich ablaufen. Bemühen Sie sich die einzelnen Handlungen in einem ihnen sympathischen, verinnerlichten Rhythmus auszuführen (dies kann auch mit einer konkreten, musikalischen Vorstellung verbunden sein).
  6. Gehen Sie also zum Ball. Bemühen Sie sich bereits mit dem ersten Schritt (sie sind noch einige Meter vom Ball entfernt) um eine gute Ausrichtung. Dazu ist es hilfreich, wenn Ihr Blick immer wieder zwischen Ball und Ziel hin und her wandert. Gleichzeitig mögen es viele »Gefühlsspieler«, wenn Sie den Schläger leicht federnd in der rechten Hand führen, um sich schon für den Schwung zu sensibilisieren. Mitunter werden dabei die antizipierten Flugkurven angedeutet.
  7. Am Ball wird zunächst die Schlagfläche in Richtung Ziel ausgerichtet (je aufmerksamer die Blickkontakte Ball/Ziel, desto besser die Ausrichtung). Passend zur Schlagfläche finden nun die Füße rasch die richtige Position. Korrekturen finden kaum statt (oder vertrauen Sie sich nicht?).


  8. Die Suche nach Sicherheit im letzten Moment ist müßig — es gibt sie nicht.

  9. Wenn Sie den Griff eingenommen haben (dies geschieht oft zeitgleich mit dem Positionieren der Füße), beginnt der Schwung. Außerordentlich wichtig ist die Bereitschaft das Bedürfnis nach Perfektionismus zu verlagern. Dieser Perfektionismus soll bei den Entscheidungen und bei den steuernden Gedanken (also hinter dem Ball) stattfinden – nicht aber am Ball. Denn diese Suche nach »Sicherheit im letzten Moment« ist müßig. Es gibt sie nicht. Deshalb ist es ausgesprochen sinnvoll, auch in solchen Situationen einfach weiterzumachen, in denen man sich unfertig fühlt. Nur dann entsteht später aus dem Gesamteindruck (s.u. Rückmeldung) ein starkes Motiv bereits bei den Entschlüssen (also hinter dem Ball) genauer (perfekter) zu werden. Am Ball einen ungenauen »Bewegungsentschluss« durch Suche nach Sicherheit zu verbessern, führt manchmal zum Erfolg, aber nie zum Lernprozess. (Um zu lernen, muss man schon irgendwann damit beginnen, die Bewegung konsequent und fließend aus dem Bewegungsentschluss folgen zu lassen. Sind dann bessere Bewegungsprogramme entstanden, verbessern sich die Bewegungen auch).
  10. Rückmeldung: Akzeptieren Sie Ihre Emotion, aber halten Sie den Mund. Dann kann sie in den Hintergrund treten. Bleiben Sie einige Sekunden in der Endposition stehen. So wird es Ihnen zunehmend gelingen, in sich hinein zu horchen und mehr zu sein als nur Opfer Ihrer Emotion. Wie flüssig war der Schwung? Habe ich Balance? War ich locker? Wie fühlte sich der Schlägerkopf an? Wie war der Treffmoment? Ist es mir gelungen, ohne zu zögern zu schwingen? Hab ich mir also selber vertraut? Welche Entschlüsse hinter dem Ball sind noch nicht genau genug? Welche Entscheidungen oder Schwunggedanken kommen nicht am Ball an?

Zusammenfassung:

  1. Machen Sie sich ein Bild.
  2. Machen Sie Ihren Probeschwung jetzt.
  3. Orientieren Sie sich mit Distanz.
  4. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen.
  5. Sagen Sie »Ja« zu sich.
  6. Gehen Sie zum Ball. Zielen Sie dabei aktiv.
  7. Richten Sie sich in fließenden, ruhigen Bewegungen aus.
  8. Beginnen Sie den Schwung, wenn Sie den Griff eingenommen haben.
  9. Rückmeldung: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder nach innen.

     

    Ken Wilber: »Red nicht. Was Du bist, hängt wie Donnergrollen über Dir, sodass ich Dich nicht hören kann, wenn Du mir das Gegenteil erzählst.«

Kreative Abweichungen sind willkommen. Das Wesentliche steht zwischen den Zeilen, offenbart sich aber nicht beim ersten Lesen. Der Dalai Lama sagt: »Lerne die Regeln, um sie richtig zu brechen.«

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Texter Eberhard Kohlhas