Trainingszeit

Kurzes Spiel

Alle sind sich einig: Um gutes Golf zu spielen, braucht man ein gutes kurzes Spiel. Und das kurze Spiel wird zu wenig geübt, heißt es.

Aufteilung der Trainingszeit
von Oliver Heuler

In zwei Punkten scheinen sich Pros und Amateure einig: 1. Um gutes Golf zu spielen, braucht man ein gutes kurzes Spiel. 2. Das kurze Spiel wird zu wenig geübt.
Schnell wird dann auch folgende Rechnung aufgemacht: Golf besteht zu fünfzig Prozent aus kurzen Schlägen, also sollte das kurze Spiel auch mit der Hälfte der Trainings- bzw. Unterrichtszeit bedacht werden. Doch nur bei den wenigsten Lehrern trifft das zu. Muss man als Trainer deshalb das gleiche schlechte Gewissen haben, mit dem sich die meisten Amateure am Putt- und Pitchgrün vorbeischleichen?
Gutes Golf ist nicht für jeden Amateur gleichbedeutend mit wenigen Schlägen. Viele möchten einfach nur schöne lange Schläge machen. Und wenn die Trainingszeit begrenzt ist, muss man irgendwo Kompromisse eingehen. Viele tun das beim kurzen Spiel, weil ihnen lange, gerade Drives einfach mehr Spaß machen als gelungene Putts. Außerdem empfinden die meisten es als weniger peinlich, gelegentlich drei Putts zu benötigen, als den Ball vom Abschlag nur einige Meter in Richtung Loch zu toppen.
Wer seine Trainingszeit paritätisch zwischen den einzelnen Schlägen aufteilen möchte, der muss etwas differenziertere Überlegungen anstellen: Nehmen wir den Pro, der eine Par-Runde im Durchschnitt mit 31 Putts absolviert. Sollte er tatsächlich 43 Prozent (31 von 72) seiner Trainingszeit aufs Putten verwenden? Zuerst einmal müssen wir durchschnittlich sechs Putts abziehen, die man als geschenkt werten kann. Niemand muss 15-Zentimeter-Putts üben.
Bleiben 25 Putts bei 66 Schlägen. Schon reduziert sich die Putt-Trainingszeit auf weniger als 38 Prozent. Nun bedeutet paritätisch ja nicht, dass ich allen Schlägen die gleiche Zeit widme, sondern, dass ich alle Schläge gleich oft übe. Messungen haben gezeigt, dass selbst Tour-Pros in einer gegebenen Zeit dreimal so viele Schläge machen, wenn sie das kurze Spiel üben als wenn sie lange Schläge auf der Range trainieren. Jetzt verteilt sich die Zeit schon wie folgt: 74 Prozent lange Schläge, 19 Prozent Putten, 7 Prozent Annähern. Das kommt der intuitiven Zeit-Einteilung der meisten schon sehr nah.
Beim Unterricht ergibt sich noch eine andere Situation: Wenn es nach paritätischen Gesichtspunkten richtig ist, ein Fünftel der Zeit Putten zu trainieren, dann heißt das noch nicht, dass man bei jeder Golfstunde mindestens zehn Minuten putten muss. Das Putten lässt sich viel schneller vermitteln und besser alleine trainieren als das lange Spiel. Der Trainer braucht deshalb kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn das lange Spiel bei seinem Unterricht überproportional bedacht wird. Hier ist der Schüler nun mal auf ständige Hilfe angewiesen.
Das Wichtigste ist ohnehin der Wunsch des Schülers: Wenn er mit dem Trainer auf der Range arbeiten will, dann ist es bestimmt nicht richtig, ihn auf das Putting-Grün zu zerren. Teaching-Pros sollten sich davor hüten, Ihren moralischen Zeigefinger zu häufig zu erheben, denn nur die wenigsten kommen bei ihrem eigenen Training auf den Anteil an kurzen Schlägen, den sie von ihren Schülern fordern. Das Schlagen langer Bälle macht uns am meisten Spaß – und daran gibt es nichts zu kritisieren, wenn man mit dem Golfspiel nicht seinen Lebensunterhalt verdienen will.

Hier kann man den Artikel kommentieren und diskutieren.

1 Kommentar

1 Rüdiger Trox { 07.25.11 at 18:33 }

Hallo Oliver,
bei deinen Überlegungen zur Aufteilung der Trainingszeit fehlt mir ein Aspekt - Platzstrategie. Ausgehend davon, dass viele Golfer die meiste Zeit auf ihrem Heimatplatz spielen, sollte die Aufteilung meiner Ansicht nach diese Situation besonders berücksichtigen.
Das heißt, eine Rundenanalyse ist hier Ausgangspunkt der weiteren Überlegungen. Sehr oft erlebe ich es, dass undifferenziert zum Driver gegriffen wird, ein akzeptabler Schlag auch ausgeführt wird, um dann mit einem weiteren Schlag sicher vorzulegen. Gesamtlänge vielleicht 270 Meter. Das wäre auch mit zwei Eisen 7 Schlägen machbar, ohne das Risiko, den Ball im Rough suchen zu müssen.
Leider kommt dieser Aspekt im Training so gut wie gar nicht vor. Doch wie in vielen anderen Lebensbereichen auch wäre ein “erst Hirn einschalten, dann Schlag ausführen” hilfreicher, um a) weniger Stress auf der Runde zu haben und b) erfolgreicher zu spielen.
Meiner Meinung nach sollte sich daran die Trainingszeit bemessen, was der-/diejenige auf den Bahnen noch nicht so gut hinbekommt.

LG aus Luxemburg

R. Trox

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