BISK-Analyse

Die BISK-Analyse (Ballflug, Impact, Schläger, Körper) soll helfen, die Golftechnik schneller zu analysieren.

von Oliver Heuler

Die Saison geht zu Ende, und wir verschaffen uns einen Überblick über unsere Finanzen: Die Rally an der NASDAQ ist ausgeblieben, das Finanzamt stellt Nachforderungen und das Stundenbuch war leider auch nicht mehr so voll wie noch vor Jahren. Das ernüchternde Ergebnis lautet meist: „Zur Ruhe setzen kann ich mich noch nicht!“ Hier soll die BISK-Analyse helfen. Nein, es handelt sich nicht um eine neue Methode der Chartanalyse. Die überlasse ich weiterhin den Analysten, die mit Kaffeesatzleserei ahnungslose Anleger um ihr Erspartes bringen. Bei der BISK-Analyse geht es vielmehr um den Start in eine erfolgreiche Golfstunde und somit auch darum, wie das Stundenbuch im nächsten Jahr vielleicht wieder voller werden könnte.

Ballflug

Der vorherrschende Ballflug muss als Erstes bestimmt werden. Hierbei gibt es immer ein Muster, auch wenn Schüler auf die Frage „Was sind Ihre typisch schlechten Schläge?“, oft antworten: „Bei mir kommt eigentlich alles vor.“

Selbst Pull-Hooks und Push-Slices können gemeinsam auftreten und weisen z.B. auf einen Schläger hin, der kurz vor dem Treffmoment flach und vorne ist (Todes-Position). Wirklich widersprüchliche Ballflüge wären Push-Hooks im Wechsel mit Pull-Slices oder Treffer mit der Spitze im Wechsel mit Sockets. Doch das kommt in der Praxis mit fortgeschrittenen Golfern eigentlich nie vor.

Todesposition: Schläger vorne und flach
Bild 1: Todesposition – Schläger vorne und flach

Bei der Ballfluganalyse darf man sich nicht auf den Schüler verlassen; selbst einstellige Handicapper und sogar Pros sind oft nicht in der Lage, ihren Ballflug zu analysieren. Wer zum Beispiel zeitlebens starke Draws geschlagen hat, der sieht einen geraden Ball oft als Fade.

Gefährlich ist auch unsere Neigung, das zu sehen, was wir sehen möchten: Wir beobachten den Schwung des Schülers und diagnostizieren gleich einen Reverse-pivot. Von jetzt an nehmen wir nur noch die Ballflüge wahr, die diese Diagnose unterstützen. Passen einige Bälle nicht zu unserer Diagnose, erklären wir sie für einmalige Ausrutscher. Wahrnehmung ist kein objektiver Vorgang – völlig zurecht heißt es „für wahr nehmen“ oder „sich ein Bild machen“.

Wer sich bei nicht eindeutigen Fällen vor allzu großer Subjektivität schützen will, sollte zunächst ausschließlich den Ballflug beobachten und eventuell sogar die Ballflüge notieren, um die Häufigkeit gewisser Fehlschläge beurteilen zu können. Anschließend sollten die Beobachtungen mit denen des Schülers abgeglichen werden. Dies gilt vor allen Dingen dann, wenn die eingangs geäußerte Beschreibung des Schülers nicht mit unseren Beobachtungen übereinstimmt. Beispiel: „Sind wir uns einig, dass Ihre Bälle momentan eher slicen, auch wenn sie Ihrer Meinung nach sonst meist als Draw fliegen?“

Impact

Im zweiten Schritt sollten die Abweichungen vom Impact gefunden werden, die den vorherrschenden Ballflug erklären. Auch hier gilt es wieder, eine mentale Zentralverriegelung zu vermeiden: Ein Pull heißt nicht immer, dass der Schläger von außen gekommen sein muss; ein getoppter Ball ist nicht immer gleich bedeutend mit einem zu flachen Eintreffwinkel.

Insgesamt sollten alle 8 Treffmomentfaktoren in die Analyse einbezogen werden: Schlägerblattstellung; dynamischer Loft und Lie; horizontaler und vertikaler Eintreffwinkel; das Treffen des Sweetspots, horizontal wie vertikal (das ist die Bodenmenge) und die Schlägerkopfgeschwindigkeit.

Neben dem Ballflug kann man die abgenutzten Stellen auf den Schlägern analysieren und natürlich das Divot. Die Richtung, die Tiefe und die Stelle, an der das Divot relativ zum Ball beginnt, lassen sich leicht interpretieren. Drei weitere Anomalien deuten auf einen zu flachen Schläger-Lie oder zu hohe Hände im Treffmoment: Das Divot ist an der Spitze tief, das Divot ist sehr dünn oder die Kanten sind schräg. Letzteres ist nicht etwa ein Hinweis auf eine starke Unterarmrotation im Treffmoment, wie selbst ernannte Divot-Experten immer wieder gern behaupten. Hilfreich können auch die Vorlieben des Spielers sein: Spielt er gerne Eisen oder Hölzer? Setzt er seinen Driver ein (beides Hinweise auf Eintreffwinkel, Schlagflächenstellung, dynamischen Loft)? Kann er pitchen oder nicht (Hinweis auf flaches Wegnehmen, geschlossenen Schläger oder flachen Eintreffwinkel)? Spielt er gerne aus dem Rough? Wie gelingen Fairwayschläge im Vergleich zu Schlägen vom Tee (beides Hinweise auf den Eintreffwinkel)? Spielt der einstellige Handicapper lieber Draws oder Fades (Hinweis auf Schlagflächenstellung und Schwungbahn)? Spielt der Schüler gerne bei Wind oder nicht (Hinweis auf Eintreffwinkel und dynamischen Loft)?

Schläger

Um den Vorgang zu vereinfachen, und nicht von der Flut der Informationen erschlagen zu werden, sollte man die Analyse des Schwunges untergliedern. Viele Autoren empfehlen hierzu Checklisten, anhand derer man jedes Detail einzeln überprüfen kann. Der Brennwert dieser Listen liegt jedoch meist erheblich über deren Gebrauchswert. Ich kenne außerdem niemanden, der solche Listen – mit teilweise über 50 Stichpunkten – tatsächlich im Unterricht einsetzt, denn hierzu sind Zeit wie Geduld des Schülers einfach zu knapp.

Verfahren wir also nach dem Prinzip Feuerzangenbowle und stelle mer uns doch mal janz dumm: Wonach richtet sich der Ball, wenn er entscheidet, wohin er fliegt? Da Golfbälle nur eine limitierte Intelligenz besitzen, sind sie nicht in der Lage, zu beurteilen, ob sich beispielsweise der Körper des Spielers ordnungsgemäß um die Achsen gedreht hat, die in der aktuellen Golfschwung-Theorie gültig sind. Sogar die Tatsache, dass sie vom Spieler im Treffmoment nicht angeschaut werden, scheint einigen Bällen völlig egal, wie das Beispiel David Duvall zeigt. Ob der Schläger den Ball jedoch offen trifft oder sich ihm auf einer zu steilen Bahn nähert, merkt der Geschlagene sehr wohl.

Wenn ich also Ball wäre und auf dem Weg zum Loch möglichst selten geschlagen zu werden hoffte und außerdem vor die Wahl gestellt würde, von einem Spieler mit perfekter Körperbewegung oder von einen mit perfekter Schlägerbewegung geschlagen zu werden, zöge ich letzteren grundsätzlich vor.

Auf Grund dieser einfachen Überlegungen beginnt die BISK-Analyse bei der Schwungbeobachtung mit dem Schläger – und zwar vom Treffmoment an rückwärts. Dies bedingt natürlich eine Videokamera. „Aber die hat doch nicht jeder“, höre ich den Anwalt der mittellosen Pros einwenden. Einspruch abgelehnt; denn ich bin sicher, dass die Zeiten, in denen gemeine Mallorca-Touristen videotechnisch besser ausgestattet sind als durchschnittliche Golfpros, spätestens in diesem Jahrhundert zu Ende gehen werden. Wenn der Schläger also zu steil oder zu offen an den Ball kommt, interessiert mich als Nächstes, wann er das erste Mal steil oder offen war. So fällt es leichter, Ursachen zu entdecken. Die immer noch populäre Methode, Ursachen zuerst zu beobachten – und zwar in der Ansprechposition –, und sich dann auf die Suche nach den Auswirkungen zu machen, wird zwar täglich immer noch tausendfach praktiziert, dadurch aber nicht weniger unsinnig.

Todesposition: Schläger vorne, flach und innen
Bild 2: Todesposition – Schläger vorne, flach und innen

In allen wichtigen Positionen wird der Schläger also vom Treffmoment an rückwärts auf folgende Attribute überprüft: offen – geschlossen, steil – flach sowie vorne – hinten. 90 Grad vor dem Treffmoment sowie beim Wegnehmen beobachtet man außerdem, ob der Schlägerkopf sich außerhalb oder innerhalb der ursprünglichen Schlägerebene befindet, also außen oder innen ist. Ein Schläger der beispielsweise flach und vorne ist, kann ja mit dem Schlägerkopf außerhalb (Bild 3), innerhalb (Bild 2) oder auf der Schlägerebene sein (Bild 1), je nachdem, ob er weiter vorne oder flacher ist.

Todesposition: Schläger vorne, flach und außen
Bild 3: Todesposition – Schläger vorne, flach und außen

Ein weiteres Schläger-Attribut ist: früh bzw. spät. Befindet sich der Schläger beim Ausholen auf der idealen Ebene (parallel zum Boden und parallel zur Ziellinie), ist dabei jedoch schon weit über Hüfthöhe, bedeutet das, dass die Handgelenke zu spät abgewinkelt wurden. Sind die Hände beispielsweise im Treffmoment hinter dem Ball, ist die Schlägerposition früh.

Sind Ballflugproblem, sowie der dafür verantwortliche Treffmoment klar, und kann man außerdem genau beschreiben, wann und wie der Schläger von seiner idealen Position abweicht, muss noch sortiert werden, welche Änderungen jetzt nützlich sind und welche nicht. Bis zu diesem Punkt war die Analyse noch keine Kunst. Die nützlichen Änderungen herauszufinden, die sowohl den Ballflug verbessern als auch die Bewegung vereinfachen, das zeichnet den erfolgreichen Golflehrer aus.

Körper

Erst jetzt – im vierten Schritt – wird der Körper analysiert. Unter Körper sind hier jedoch nicht nur Rumpf und Beine zu verstehen, sondern der ganze Mensch, inklusive Schultern, Unterarmen, Handgelenken, Fingern usw.

Es gilt nun zu klären, aus welchem Grund der Schläger offen oder vorn, spät oder flach an den Ball kommt. Wurden die Unterarme zum falschen Zeitpunkt rotiert? Haben sich die Handgelenke falsch gebeugt? Wurde der Körper zu früh gedreht, oder hat er sich seitlich falsch bewegt? Erst jetzt bekommt man Klarheit darüber, was man erklären soll, wie man demonstrieren muss und wie der Schüler am besten geführt wird. In diesem Schritt wird natürlich auch untersucht, wie Griff, Haltung, Stand und Ausrüstung zu den Abweichungen beitragen.

Bei der Erklärung sollte man im Übrigen genauso vorgehen. Beispiel: „Ihr Ball fliegt nach rechts (B), weil Ihr Schläger im Treffmoment nach rechts zeigt (I). Das liegt daran, dass das Griffende im Treffmoment zu weit vor dem Ball ist (S), weil Ihr Oberkörper sich im Abschwung zu schnell und zu weit in Richtung Ziel bewegt (K). Dass Ihr Gewicht sich schon beim Ansprechen überwiegend auf dem linken Fuß befindet, verstärkt das Problem zusätzlich.“

2 Kommentare

1 Richard { 11.12.12 at 19:30 }

Hello Oliver,
This is a system in helping one analyse the golf swing. It is systematic but one way and not the way; it is therefore not an example of Idealism.
is that correct? Danke im voraus
Richard

2 Richard { 11.12.12 at 20:03 }

Hello Oliver,

Is this a correct evolution or eytomologie of Didaktik ?

Danke Richard

Maieutics is an evolution of the technical methods of Orphism. They were based on the idea of reminiscence and the practice of Catharsis especially developed by Pythagoras.

Maieutics consists in the belief that there is somehow a knowledge that is stored in the mind by tradition and the experience of past generations. Therefore, maieutics invites the individual to discover the truth that is latent in a person.

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Texter Eberhard Kohlhas