Fixen oder Builden?

Im Golf-Unterricht gibt es zwei Ansätze: Im Vordergrund stehen das Korrigieren der Fehlschläge oder das Arbeiten am Schwung.

Fixen oder Builden?

Von Oliver Heuler aus dem Lehrbrief 5

Beim korrigierenden Unterricht versucht der Lehrer bestehende Fehlschläge durch möglichst kleine Änderungen sofort zu beseitigen. Dabei werden oft auch Korrekturen akzeptiert, die das Ballflug-Problem lösen, die Technik aber nicht vereinfachen.
Beim aufbauenden Unterricht wird – unabhängig vom Ballflug-Problem – eine neutrale Technik angestrebt. Beim Analyse- und Korrekturprozeß spielt der Ballflug daher keine Rolle; die Technik wird vielmehr Schritt für Schritt neutralisiert, in der Hoffnung, daß nach Abschluß der Veränderungen dann auch der Ball beständig geradeaus fliegt.
Ein erfolgreicherer Weg ist jedoch eine Synthese aus beiden Vorgehensweisen – wir nennen ihn integrativer Unterricht: Hierbei analysiert man als erstes den Ballflug und schließt dadurch auf das Treffmoment-Problem. Im nächsten Schritt wird der Schwung auf seine Abweichungen von der Neutral-Technik untersucht. Bei der Reihenfolge der Korrekturen orientiert man sich jedoch immer am Ballflug, d.h. es werden diejenigen Abweichungen von der Neutral-Technik zuerst korrigiert, die den Treffmoment verbessern.
Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Der Lehrer beobachtet bei allen langen Schlägen des Schülers leicht nach rechts abdrehende Bälle, die sich auf eine offene Schlagfläche im Treffmoment zurückführen lassen. Die Technik weicht in folgenden Punkten von einem neutralen Schwung ab:

  • Die Hände sind am Griff zu weit nach rechts gedreht.
  • Der Schüler richtet sich bei allen langen Schlägen links vom Ziel aus.
  • Die Armebene ist während des gesamten Schwunges viel zu flach.
  • Das linke Handgelenk beugt sich beim Ausholen dorsal.

Korrigierendes Arbeiten könnte nun so aussehen, daß der Griff weiter nach rechts gedreht wird. Dies würde sich unmittelbar auf die Schlagfläche auswirken, diese mehr schließen und der Slice würde so beseitigt. Die Fehler würden sich jetzt besser ausgleichen. Das Problem bei dieser Vorgehensweise besteht jedoch darin, daß die Technik durch die Korrektur noch komplizierter geworden ist, denn die Hände befanden sich ja schon zu Beginn zu weit rechts am Schläger. Auf lange Sicht noch unwirksamer wäre das Hinzufügen eines neuen Hook-Faktors: So könnte man den Slice sicherlich auch dadurch beseitigen, daß man den Spieler früher schlagen ließe. Die Schlagfläche würde sich so zwar mehr schließen, die Bewegung aber noch komplizierter werden.
Aufbauendes Arbeiten sähe anders aus: Der Slice würde bei der Analyse keine Rolle spielen, da es beim aufbauenden Arbeiten nur darum geht, die Technik zu neutralisieren. Dabei werden Korrekturen im Set-up vorrangig behandelt. Die erste Korrektur hieße deshalb: Griff neutralisieren, also weiter nach links drehen. Die zweite Korrektur hieße: Zielen verbessern, also weiter nach rechts ausrichten. Mit diesen beiden Korrekturen, die zweifelsfrei die Technik neutralisieren, also vereinfachen, würde jedoch aus dem Spieler mit leichten Slice-Problemen, ein Spieler mit extremen Slice-Problemen. Da die flache Armebene auch stärker ins Auge fällt als das gebeugte Handgelenk, würde bei den Korrekturen im Schwung dieses Problem vielleicht auch als erstes behandelt. Das Ergebnis wäre abermals eine Vereinfachung des Schwunges und eine Verstärkung des Slices. Mit genügend Ausdauer käme man sicher irgendwann auch zum Handgelenk und würde dem Slice entgegenwirken. Nur würde das Vertrauen und die Geduld des Schülers aufs Äußerste strapaziert.
Der schnellste und zugleich langfristig beständigste Erfolg läßt sich erzielen, wenn man zuerst die Ursache des Slices beseitigt und durch die richtige Beugung des Handgelenks die Schlagfläche schon im höchsten Punkt des Ausholens mehr schließen würde. Erst wenn der Ball dann aufgrund des Griffes, der Ausrichtung und der Armebene hookt oder pull-hookt, wäre der richtige Zeitpunkt erreicht, an diesen Fehlern zu arbeiten.
Theoretisch klingt das einleuchtend, für die Praxis braucht man jedoch sowohl die Fähigkeit, alle Abweichungen im Schwung zu erkennen, als auch das Wissen, wie sie sich auf den Treffmoment auswirken. Korrigierendes Arbeiten und besonders aufbauendes Arbeiten erfordern nicht so viel Wissen.

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Texter Eberhard Kohlhas