Kupplung beim Golf

»Wie kommt die Kraft des Körpers in den Schlägerkopf?«, fragt sich Thomas Zacharias.

Das aus meiner Sicht zentrale Problem in der Golfschlag-Didaktik lässt sich bestens am Beispiel des Fahrunterrichts beschreiben. Bevor man sich in den Straßenverkehr wagen kann, muss man das Fahrzeug beherrschen. Aber noch bevor man lernen kann, es zu lenken, muss man es in Bewegung setzen. Und dazu muss man lernen, mit Gaspedal und Kupplung umzugehen.

Es gibt zwar Autos mit automatischer Kupplung, aber um den Führerschein zu erhalten, muss jeder Prüfling Autos mit Pedal-Kupplung fahren gelernt haben. Die Kupplung verbindet die Kraftquelle Motor mit den Rädern. Wird diese Verbindung im Stillstand nicht getrennt, so kann der Motor nicht laufen, also gar nicht erst angelassen werden. Zum Anfahren muss der Motor dann auf Touren gebracht werden. Und dann überträgt man durch das Einkuppeln die Kraft des Motors auf die Antriebsachse und letztendlich die Räder.

Man stelle sich nun vor, der Fahrlehrer ist in seinem Leben selber immer nur Wagen mit automatischem Getriebe gefahren und weiß gar nichts von einem Pedal unter dem linken Fuß. Wie soll er da jemals einen Schüler durch die Prüfung bringen?! Er wird sich doch nur wundern, dass der Schüler nicht vom Fleck kommt und dass das Auto schlimme Geräusche macht und bald kaputtgeht.
Und genau dies geschieht im ganz normalen Golfunterricht. Und zwar weltweit. Die talentierten Golfkönner (also sämtliche aktiven Lehrer) haben eine automatische Kupplung. Und ihre mittel- bis minderbegabten Schüler (also über 95% aller Golfer) haben eine Kupplung, die sie selbst bedienen lernen müssen, und von der ihre Lehrer nichts wissen.
Schlimmer noch: Sie behaupten im Unterricht, dass es nichts zu kuppeln gibt, dass die Kraft des Körpers automatisch in den Schlägerkopf gelangt, dass man darauf vertrauen muss und auf gar keinen Fall eingreifen darf. („Let the club do the work“) Und dann wundern und grämen sich die Lehrer natürlich, dass ihre Schüler keinen Ball richtig treffen, sich ärgern und verzweifeln, auf dem Platz den Betrieb aufhalten und bald keinen Unterricht mehr buchen, weil sie merken, dass ihr Spiel dadurch ja doch nicht besser wird.

Andererseits mutet es wie eine Verschwörung an, dass bei all der hoch wissenschaftlichen Forschung ausgerechnet das wichtigste Technikmerkmal des Golfschlages bis heute ein Geheimnis geblieben ist. Als ob damit das allgemeine Unwissen und der Unterrichtsbedarf künstlich erhalten werden sollten. Es reicht dem zahlenden Golfschüler aber nicht, dass sein Pro engagiert ist, höflich, gutmütig und geduldig, und ihm im Scheitern einfühlsamen Trost spendet. Er hat Anspruch auf sachgerechte Anleitung und erhält sie nicht, solange sein Lehrer nicht versteht, dass es beim Golfschlag eine Kupplung gibt. Und dass deren falsche Handhabung maximale Länge und optimale Zielsicherheit unmöglich macht. Also:

Wie übertrage ich die Kraft meines Körpers auf die Bewegung des Schlägerkopfes?
Antwort: Mit dem richtigen Zutun der Hände. Sie bilden die Kupplung. Und sie müssen (und können!) lernen wie das geht. Denn ohne Kupplung geht gar nichts richtig.

Die korrekte biomechanische Beschreibung der Koordination von Handgelenkestreckung und Schulter-Arme-Drehung ist deshalb m.E. noch vor der Methodik, der Sensomotorik und Lernpsychologie, und erst recht vor der Ballflugsteuerung, also den Feinheiten bei Schlagfläche und Schwungebene, die wichtigste Grundlage für erfolgreiches Lernen und Lehren.

Ich kenne über 100 Golflehrer persönlich und natürlich alle Gurus und ihre Bücher. Aber keiner verfügte über dieses erschreckend einfache Wissen, bevor ich es 1993 entdeckte und 2001 damit begann, es mit der Unterstützung von Oliver Heuler und der PGA zu verbreiten.

Werden die Golflehrer dieser Welt lernen, sich vor ihre Schüler hinzustellen und ihnen als erstes mit einfachen Worten zu erklären, wie der Golfschlag eigentlich funktioniert? Werden sie sich von meinem Buch dazu verhelfen und inspirieren lassen? Oder wird dieses fundamentale Wissen im allgemein herrschenden Chaos der Lehrmeinungen und Theorien unverstanden und ungenutzt untergehen? Ich bin gespannt.

3 Kommentare

1 Frank { 05.18.08 at 18:15 }

Hallo Herr Zacharias,
woher die Power im Golfschwung kommt ist eine wirklich spannende Sache.

Ich unterscheide zwischen gesunder Power und Power die zu Verletzungen führt.
Dann addiere ich Kräfte und starte hierbei im Fuß,Unterschenkel, Oberschenkel, plus Pomuskulatur, Arm undSchultermuskulatur.

Ein wichtiger Punkt ist wie weit drehe ich die Hüfte im Rückschwung auf und für mich überhaupt das wichtigste über welche Achse/n drehe ich im Rück- und Vorschwung.

Das ganze kann man dann mit Schlägerkopfgeschwindigkeit in Verbindung mit einem guten nachhaltigen Treffmoment messen.

Ich bevorzuge im Rückschwung bis zum Impact zusätzlich messbare Balance.

Was sind Ihre Erfahrungen - lassen Sie uns doch mal messen… Gruss Frank

2 Manfred Karl { 08.01.08 at 10:14 }

Hallo Thomas, finde diesen Bericht sehr gut.
Meines Erachtens besteht das größte Problem beim Lernen des Golfschwunges darin, daß jeder den schnellen Erfolg sucht und sofort mit dem Ball weit schlagen will. Ohne Ball lernt man den richtigen Golfschwung viel leichter.
Doch welcher Golfpro hat dazu Zeit. Die Platzreife muss so schnell wie möglich her.
Deshalb ist es besser und auch billiger den
Golfschwung auch zu Hause zu lernen.
Info. http://www.speedmax-golf.de
Manfred

3 Bernd { 06.15.11 at 08:04 }

Hallo

Die Probleme mit den Pros kann ich 100% bestätigen.

Ich hatte zwar erst 5 Pros als Lehrer
und alle waren wie oben geschildert,
höflich, hilfsbereit und solange sie bezahlt
wurden auch geduldig.

Trotzdem war Ihr Unterricht
bei mir vergeblich.

Natürlich habe ich gedacht,
der Fehler lieg bei mir,
nur ich sei ein schwieriger und
hoffnungsloser Fall.

Frust, eine einjährige Pause,
Selbstzweifel sind seit dieser Zeit
die ständigen Begleiter beim Thema Golf.

Bis ich beim Surfern auf den zahlreichen Seiten
von Oliver Heuler, den Hinweis
auf die neue Lehre von Thomas Zacharias fand.

Allein sein Buch und seine DVD hat mir
wieder neue Hoffnung gegeben.

Ich werde seinen Schwung bzw. Schlag Technik
lernen, üben und hinterher hier berichten.

Bereits die Hoffnung,
dass ich damit auch golfen lernen könnte,
gibt mir Mut und Lebensfreude zurück.

Danke !

Bernd

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Die DVDs von Oliver Heuler:

 

Golfvideos von Oliver Heuler

 

Texter Eberhard Kohlhas