Putt-Seminar-Bericht

Frank Schikarski hat das Putt-Seminar von Christian Marquardt am Fleesensee besucht und berichtet.

Von Frank Schikarski

Am letzten Sonntag fand in Fleesensee das hier im Forum angekündigte Putt-Seminar von Christian Marquardt („CM“), dem Erfinder des Puttlabs, statt. Für die, die nicht daran teilnehmen konnten, hier eine kurze Zusammenfassung. Ich kann jedem Teaching Pro und ambitioniertem Spieler nur wärmstens empfehlen, selber einmal teilzunehmen, wenn Christian das Seminar noch einmal wiederholt.

Puttseminar

Zunächst ging es einmal darum, wie man komplexe Bewegungen lernt: das Fangen eines Balls aus dem Lauf lernt man bekannterweise aus der Bewegung heraus, nicht aus einer Slow Motion. Unser Unterbewusstsein kann hier eine enorme Leistung verbringen, die auch beim Putten abgerufen werden kann. Der Lernzyklus einer Bewegung sollte nach CM so sein, daß man eine Bewegung plant, dann die Bewegung ausführt, und hinterher seinen Plan prüft und ggf. fürs nächste Mal etwas lernt. Dieses Planen kann bewusst (Putten) oder unbewusst (Glas heben) erfolgen. Versucht man jedoch, was gerade bei langsamen Bewegungen und ruhenden Objekten (Tennis am Netz, Zahnarzt, 11 Meter) vorkommt, während der Bewegung bewusst zu korrigieren, so legt man sich den Grundbaustein für Yips. CM stellt gerade während des Schwungs den Spieler mehr in den Mittelpunkt als die Technik, da er von der unbewußten Kompetenz überzeugt ist, die Technik sollte hingegen nur vor der Bewegung und dann erst wieder in der Analyse eine Rolle spielen. CM bezieht dies auf die langsamen Bewegungen des Puttens und Chippens, bei denen die Anforderungen an Präzision und der Druck sehr hoch ist, im Gegensatz zum Vollen Schwung, bei dem die Anforderungen an die Biomechanik sehr hoch sind. Wichtigste Erkenntnis: bei der Ausführung des Putts seinem Körper einfach nur „Go“ sagen und seinem Unterbewusstsein vertrauen.

Dann wurden einige Spieler korrigiert. CM hat eine Reihenfolge für die Korrekturen entwickelt: zuerst das neutrale Setup, dann Timing und Dynamik, dann die Rotation, dann die Schwungbahn und die Fläche, dann das Zielen, dann der Impact Spot und zum Schluß noch Loft und Rise.

  • Das Setup kann man z.B. mit einem Spiegel am Boden korrigieren: wenn man das Auge über dem Ball und die Schultern über den Fußspitzen gebracht hat, sollte man die Arme locker runterhängen lassen und dann den Schläger greifen. Nach CM sollten mit diesem Setup die meisten Spieler ihren Putter kürzen. Steht man zu nah am Ball, kann dies zu einem Push führen, steht man jedoch zu weit weg zu einem Pull.
  • Zu Timing und Dynamik hat CM den Rhythmus der Tourpros von Rückschwungzeit zur Abschwungzeit von 2:1 betont, der für Entfernungen zwischen 1 und 10 Metern bei der Längenkontrolle helfen soll. Er empfiehlt dabei „eintausend-eins“ zu zählen, das sind 2 Takte für den Rückschwung und 1 Takt für den Abschwung.
  • Ebenso häufig wird nach CM beim Rückschwung zu weit ausgeholt, was die Wahrscheinlichkeit, schlecht an den Ball zu kommen, deutlich erhöht.
  • Ein weiterer genereller Hinweis: Kopf und insbesondere das Auge sollten extrem ruhig gelassen werden, und zwar bis der Durchschwung beendet ist.
  • Falls man die Schwungbahn korrigieren möchte, sollte diese über die Schultern und nicht über die Hände erfolgen. Dies kann sogar so weit gehen, daß z. B. bei einem Pull in der Endposition die linken Zehen und die rechte Ferse betont belastet werden sollten, um die Schwungbahn ohne Handeinsatz zu verändern.

Viele dieser Korrekturen wurden zuerst ohne Ball und mit geschlossenen Augen durchgeführt, man konnte am Puttlab sofort die positive Wirkung sehen.

Natürlich haben wir auch einige aufgezeichnete prominente Schwünge diskutiert – Fazit: es gibt keinen idealen Modellschwung. Tiger Woods hat beispielsweise eine sehr gerade Schwungbahn mit einer hohen Kopfrotation, Lauren Roberts hat dagegen in Ballnähe 0 Grad Rotation bei einem entsprechend größeren Bogen in der Schwungbahn.

Tiger Woods Putt

Tiger trifft dabei bewusst leicht (1.8 mm) mit der Spitze, was nach CM ein größeres Feedback gibt und bei Tigers hoher Rotation das Drehmoment kompensiert. Ebenfalls fühlt sich Tiger mit seiner leicht offenen Schwungbahn (ca. 1 Grad) am wohlsten, dies passt laut CM ebenfalls zur hohen Rotation. Tiger ist sich darüber im Klaren, dass er anders puttet, und übt seine offene Schwungbahn sogar zusammen mit den anderen Putt-Faktoren. Einige der Putt-Gurus haben wir auch gesehen, wobei diese ihre „Gebete“ offenbar zu übertreiben scheinen: aus einer gewollt geraden Schwungbahn wird beim einen Guru ein tatsächlich nach außen gewölbter Bogen, und auch der Swing-Putt hatte beim anderen Guru nichts mit einer Pendelbewegung zu tun.

Yipp

Die Gurus hatten zudem deutlich erkennbare Ansätze zu Yips — eventuell fühlten sich die beobachtet und hatten besonderen Druck?

Yipp

Zum Schluß ging es über Fitting, wobei schnell klar wurde, daß noch keine Firma ein entsprechend umfassendes Konzept entwickelt hat, und derzeit nur wenige Fitter den individuellen Schwung berücksichtigen. Das Griffgewicht, die Griffdicke und auch die Weichheit des Griffmaterials können beispielsweise dazu beitragen, die Handaktion zu beruhigen — wer es probieren möchte, kann sich probehalber mal ein Gästehandtuch um seinen Griff wickeln. Zudem gibt es tatsächlich einige Tourpros, die sich mit Hilfe ihrer Schultern ohne eine Peil-Linie besser ausrichten können als mit einer Linie.

Alles in allem war das Seminar ein großer Erfolg. Vielleicht wollen andere Teilnehmer hier auch ihre Meinung in den Kommentaren kundtun?

2 Kommentare

1 Franz Xaver Maier { 07.05.08 at 23:12 }

Hallo,

mich wuerde interessieren wie der Vortrag sich auf ihr Putten ausgewirkt hat.
Haben sie neue Anhaltspunkte oder Anregungen wie sie ihr Spiel verbessern koennen bekommen?

Weniger interessieren mich allgemeine Beobachtungen wie Gurus oder Tiger puttet.

Lediglich was man eben fuer sein SPiel brauchen kann.

vg

2 Frank Schikarski { 07.08.08 at 19:22 }

Hallo Franz,

da ich gestern ca. 3 Stunden auf dem Grün war, kann ich sagen, der Vortrag war sehr positiv für mich. Es hatten nicht alle Teilnehmer eine Einzelkorrektur bekommen, da wir uns dafür entschieden hatten, beim ersten Probanden nicht nur die Analyse von CM zu hören, sondern auch die zeitintensivere Umsetzung seiner Korrekturen zu verfolgen. Ich muß aber vorwegschieben, daß ich schon einmal auf dem Puttlab bei Oliver Heuler stand und meine Hauptfehler kannte: Schwungbahn 2 Grad nach aussen, Kopf im Treffmoment nach innen, das habe ich mir wohl zur Kompensation der Schwungbahn unbewußt antrainiert. Und die Puttlängen eher zu kurz.

Aus den oben beschriebenen Korrekturen von CM habe ich für mein Spiel folgendes ausprobiert und eingebaut:

1. Innere Einstellung – Trau Deinem Gefühl beim Schwung. Gerade bei der Entfernungseinschätzung mache ich nun zwei gut gefühlte Probeschwunge und peile ein bischen hinter das Loch. Bei der Ausrichtung nehme ich mir etwas mehr Zeit und setze es dann konsequenter um, so hoffe ich das Risiko von Korrekturen während des Schwungs auszuschalten.

2. Setup – Einen Spiegel hatte ich von zuhause dabei. Da ich von dem „Auge über den Ball“ schon gelesen hatte, stand ich sogar zu nahe am Ball, daher wohl meine Schwungbahn nach aussen. Was ich zusätzlich zu den Punkten von CM noch mache: ich konzentriere mich als Rechtshänder auf meine linke Schulter, das beruhigt meinen Schwung.

3. Kurzer Rückschwung, hilft mir auch sehr, um gerade an den Ball zu kommen.

4. Langer Durchschwung, bei dem Kopf und Auge nicht bewegt werden, macht bei mir den Ball gerader und verbessert sogar die Länge.

5. Rhythmus – Auf „eintausend - eins“ zählen funktioniert ebenfalls sehr gut. Den Rhythmus hatte ich vorher „geeicht“ mit meinem MP3-File, was ich auf Basis der von CM angegebenen Millisekunden mal erstellt hatte. Das MP3-File habe ich auf Basis des Vortrags noch mal angepaßt: http://www.golfforum.de/audio/putts.mp3

Zum Üben spiele ich häufig 4 Bälle von der gleichen Stelle. Gestern war mein bestes Ergebnis, 3 von 4 Bällen aus 3 Metern einzulochen, und das bei einem schlecht gemähten und gesandeten, unregelmäßigen Grün. Vorher waren es auf dieser Entfernung und bei diesem Grün eher Zufallstreffer. Ich dachte immer, daß meine großen Abweichungen auf dieser Entfernung von der Unregelmäßigkeit des Rasens herkommen, das scheint aber nicht so zu sein!

Franz, ich hoffe das hilft Dir – Viel Spaß beim Üben!

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Fitting bei Mike McFadden

 

 

 

 

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Texter Eberhard Kohlhas