Interview mit Oliver Heuler

Anläßlich der Wahl zum Professional of the year hat die Zeitschrift Golftime ein Interview mit mir geführt.

Erschienen in Golftime

Die PGA of Germany hat ihre Mitglieder in diesem Jahr erstmalig befragt, wer ihrer Meinung nach der beste Lehrer ist. Zur Wahl standen sechs Professionals und Oliver Heuler erhielt 51 Prozent der Stimmen. Golf-Time führte ein Interview mit ihm.

GT: Herzlichen Glückwunsch zum Titel „Teacher of the year“
OH: Vielen Dank.

GT: Was bedeutet der Titel für Sie?
OH: Natürlich habe ich mich über die Anerkennung der Kollegen sehr gefreut. Ich denke jedoch, dass dieser Preis noch eine wichtigere Funktion erfüllt, als nur die Eitelkeit eines Lehrers zu befriedigen: Durch diese Wahl wird die Bedeutung des Golflehrers in den Medien wieder mehr zum Thema. Zwischen all den Berichten der meisten Journale über Plätze, Golfreisen, Regeln, Equipment und Turniere vermisse ich ein wenig die Berichterstattung über Teaching-Pros. Für den Hobbygolfer ist sein Pro doch ein ganz wichtiger Mensch. Wir alle wissen, wie schwierig dieses Spiel ist und oft ist der Golflehrer die letzte Hoffnng für bessere Schläge.

GT: Wie beurteilen Sie denn die Stellung des Golflehrers in Deutschland?
OH: In Großbritannien beispielsweise ist der Pro zunächst einmal ein guter Spieler. Die Engländer
nehmen ohnehin schon wenig Unterricht, und wenn der Golflehrer nicht die stärksten Spieler im Club schlägt, hat er es schwer. Auch in den USA haben dreiviertel der Golfer noch nie eine Stunde genommen, sodass der Pro dort eher im Shop steht, Turniere startet oder Management-Aufgaben übernimmt. Bei uns hingegen verbringen die meisten Pros 90 Prozent ihrer Zeit mit dem Unterrichten.

GT: Wie erklären Sie sich das?
OH: Zum einen hängt das sicherlich mit der etwas anderen Mentalität zusammen. Wir Deutschen neigen eher zum Perfektionismus. Zum anderen liegt es an der Struktur, die der DGV geschaffen hat: Man muss seine Platzreife machen und kommt gar nicht am Pro vorbei. Das ist natürlich gut für uns Pros, aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass wir zukünftig einen unbürokratischeren Zugang zu den Golfplätzen schaffen, damit das Spiel noch schneller wachsen kann und zu einem Sport für alle und nicht nur für viele wird.

GT: Hat Deutschland denn die besseren Golflehrer?
OH: Ob das jetzt schon der Fall ist, weiß ich nicht. Aber wir haben die besten Voraussetzungen, weil wir viel Unterricht geben können. Wenn der Kollege in England nur 5 Stunden in der Woche erteilen kann, hat er es natürlich schwerer. Mittlerweile genießen die Lehrlinge in der PGA of Germany auch die beste Ausbildung auf diesem Gebiet. Als ich vor 15 Jahren meine Lehre begonnen habe, musste ich mir noch alles selber beibringen, durch Amerika reisen und den besten Lehrern beim Unterricht zusehen. Das ist inzwischen anders und davon profitieren auch die Amateure.

GT: Was zeichnet denn Ihrer Meinung nach einen guten Golflehrer aus?
OH: Die Analyse wird oft unterschätzt. Man denkt zunächst an einen guten Didaktiker. Aber was nützen einem die größte Einfühlsamkeit und die besten Erklärungen, wenn es das Falsche ist, was man dem Schüler erklärt? Die Kunst liegt zunächst einmal darin, aus den zehn bis fünfzehn Fehlern, die man meist sieht, diejenigen herauszufinden, die zu besseren Schlägen führen, wenn man sie beseitigt. Ohne Videounterstützung gelingt das nur den wenigsten. Wenn die Analyse stimmt, dann ist natürlich der Didaktiker gefragt, der auch erkennt, wenn die Aufnahmefähigkeit des Schülers erschöpft ist. Und das ist meist viel früher der Fall, als man sich das als Lehrer wünscht.

GT: Was unterscheidet Ihren Unterricht von dem Ihrer Kollegen?
OH: Ich arbeite seit 15 Jahren permanent mit Videokameras und habe damit viel Erfahrung. Mein Ziel besteht nicht darin, die Bewegung meiner Schüler zu perfektionieren. Kaum jemanden interessiert es, ob sein Schwung lehrbuchmäßig aussieht. Mir kommt es darauf an, dass der Ball besser fliegt – und das so schnell wie möglich. Im Übrigen ist mein Unterricht sehr intensiv. Mit dem Scope-Videosystem, das wir im Fleesensee haben, bekomme ich das entscheidende Standbild innerhalb einer Sekunde nach dem Schlag auf den Bildschirm. So erkenne ich sofort, wenn meine Korrekturen nicht richtig umgesetzt werden. Das ist für Schüler und Lehrer zwar sehr anstrengend, führt aber zu den besten und schnellsten Ergebnissen. Durch meinen hohen Stundentarif kommen auch meist nur Leute, die wirklich daran interessiert sind, ihr Spiel zu
verbessern. Und damit ich bei dem letzten Schüler des Tages noch die gleiche Energie habe, gebe ich nur halbtags Unterricht.

GT: Wo liegt Ihrer Meinung nach das größte Problem des Hobbyspielers?
OH: Hier hört man oft die Antwort: „Im kurzen Spiel“. Ich bin da jedoch vorsichtig. Die meisten Leute wollen schöne lange Schläge machen und spektakuläre Drives hauen. Ich kann das verstehen. Mir geht es genauso. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal das Putten trainiert habe, obwohl ich viel spiele. Das ist mir einfach zu langweilig. Und so geht es auch meinen Schülern. Warum soll ich sie dann immer dazu ermahnen? Eine ausführliche wissenschaftliche Studie aus „Golf and Science“ kommt zu dem Schluss: »Jeder erinnert sich an Sam Sneads ‚drive for show and putt for dough‘, nach unserer Analyse wäre ein zutreffenderer Satz: ‚hit it hard for thrills and hit it close for bills‘.« Das entscheidende Kriterium für gute Scores ist die Fähigkeit, viele Grüns zu treffen.

GT: Wie trifft man denn viele Grüns?
OH: Auch da habe ich eine kontroverse Meinung: So sehr ich mich den ganzen Tag mit der
Schwungtechnik auseinandersetze und so sehr heutzutage über die mentalen Fähigkeiten gesprochen wird und Pros wie Amateure den ganzen Tag über ihre Ausrüstung reden – ich halte koordinatives Talent für den wichtigsten Faktor.

GT: Kann man Koordination denn trainieren?
OH: In fortgeschrittenem Alter nur wenig, und es würde den meisten auch keinen Spaß machen. Ich werde mich also zunächst weiter mit Techniktraining beschäftigen.

GT: Was ist mit der Psychologie? Sie haben doch sogar ein vierstündiges Hörbuch darüber veröffentlicht.
OH: Das große Interesse an der Psychologie erkläre ich mir zum Teil dadurch, dass auf die technischen Fragen oft nicht die richtigen Antworten gegeben werden. Die Psychologie-Ratgeber von selbsternannten Experten empfehlen dann Entspannungstechniken und positives Denken. Befriedigende Antworten sucht man da vergebens. An echter Persönlichkeitsentwicklung führt meiner Meinung nach kein Weg vorbei. Doch die ist mühsam. Hier setzt „Jenseits der Scores“ an. Wer Interesse hat, kann auf meiner Internetseite die erste Hälfte des Buches kostenlos herunterladen.

GT: Jetzt interessiert uns natürlich noch Ihre Meinung zu den Themen Fitness, Platzstrategie und
Ausrüstung.
OH: Fitness wird für die Tourprofis immer wichtiger: Übergewichtige sieht man nur noch selten; die Mehrheit sind Athleten. Im Golfunterricht ist es deshalb zurzeit populär, die Ursachen für eine schlechte Technik auf mangelnde Kraft oder Beweglichkeit zurückzuführen. Aber auch da bin ich vorsichtig, selbst wenn das in manchen Fällen richtig ist: Erstens werden nur die wenigsten Hobbygolfer ein längerfristiges Training zu Ende bringen und zweitens wird dadurch noch keine bessere Technik garantiert. Als Lehrer muss man auch dem körperlich eingeschränkten Golfer technisch helfen können.
Wer durch Platzstrategie auf einfache Weise viele Schläge sparen will, der sollte sich hauptsächlich an eine Regel halten. Diese Regel gilt übrigens für Platzreife-Spieler wie für Scratch-Golfer. Sie lautet: „Im Zweifel sicher spielen.“ Die meisten Schläge werden verschenkt, weil man Schläge versucht und Schläger benutzt, die man nicht beherrscht.
Beim Thema Ausrüstung frage ich mich schon seit Jahren, wann der Druck der Konsumenten auf die Anbieter nach akzeptablen Fertigungstoleranzen endlich so hoch wird, dass sich etwas ändert. Ein normaler Satz von der Stange kommt immer noch mit Lies, Lofts und Schäften, die eher einer schönen Zufallsverteilung entsprechen als irgendwelchen Standards. Die neuste Legierung oder das neuste Schlägerkopfdesign helfen uns Golfern nämlich nicht. Was zählt, ist das Ermitteln der individuell benötigten Parameter durch ein dynamisches Fitting und dann eine Fertigung, die diese Vorgaben auch erfüllt.

GT: Sie haben gesagt, dass Sie nur halbtags arbeiten. Was machen Sie in der verbleibenden Zeit?
OH: Ich schule die fünfzehn Lehrer der Akademie im Golf & Country Club Fleesensee nach meiner Unterrichtsphilosophie und versuche damit herauszufinden, ob es sich wirtschaftlich rechnet, wenn man zum gleichen Preis eine höhere Qualität anbietet. Außerdem fließt noch immer viel Arbeit in das Golfforum (www.golfforum.de). Der Erfolg ist phänomenal: Die Seite liegt jetzt bei über 300.000 Seitenaufrufen im Jahr und bietet Informationen über alle Faktoren zur Leistungssteigerung. Im Diskussionsforum kann man die besten Trainer Deutschlands um Rat zu allen Themen fragen. Wer seinen Schwung auf Bildern liefern kann, erhält sogar eine kostenlose Analyse.

GT: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
OH: Am Fleesensee bin ich sehr glücklich. Wir haben optimale Trainingsbedingungen und da wir ein Freizeit-Ressort sind, sieht man immer wieder andere Leute. Ein Ortswechsel ist deshalb vorerst nicht geplant. Ein Projekt, das ich noch im Kopf habe, ist eine Untersuchung zum Thema Golf-Unterricht: Ich denke an eine große Gruppe von Amateuren, die in mindestens vier gleichstarke Gruppen aufgeteilt wird: Die erste Gruppe übt überhaupt nicht, sondern spielt nur. Die zweite Gruppe übt ohne Hilfe. Die dritte bekommt Placebo-Unterricht, wobei ein Lehrer ohne Nachdruck nichts sagende Anweisungen gibt wie: „Schwingen Sie doch ein wenig langsamer“ oder „achten Sie mal auf Ihr Timing“. Und die vierte Gruppe wird nach den neusten Erkenntnissen mit Videounterstützung unterrichtet. Nach einem Monat werden dann die Verbesserungen verglichen. So eine Untersuchung würde unserer Zunft noch mehr helfen als die Wahl des populärsten Lehrers. Je nach Ergebnis könnte man danach eine Untersuchung anschließen, bei der auf gleiche Weise verschiedene Unterrichtsphilosophien miteinander verglichen werden. Das wäre sicher auch für die Hobbygolfer interessanter als der vierhundertsechsunddreißigste Tipp des Monats von Steve Superteacher.

GT: Herr Heuler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

2 Kommentare

1 Cornelia { 07.20.08 at 23:32 }

Die Idee einer randomisierten Studie finden ich sehr sinnvoll (würde natürlich auch gern teilnehmen), halte aber die Probandenzahl für zu gering.
Wenn es Ergebnisse gibt, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen!

2 Ramon K. { 07.22.09 at 23:46 }

… sehr interessantes Projekt. Den Probanden kann man dann allerdings nur wünschen, entweder in der ersten oder der letzten Gruppe zu landen. ;-)

Denn üben ohne Hilfe oder fast noch schlimmer Placebo-Training zu bekommen, klingt nicht sehr erfolgversprechend. Dann schon lieber Spaß haben und nur spielen oder eben richtig lernen.

Wie auch immer, könnte eine sehr interessante Studie werden.

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Texter Eberhard Kohlhas