Der dressierte Bürger

Reinhard Sprengers dressierter Bürger ist die perfekte Einstiegsdroge für libertäre Gedanken.

Von Oliver Heuler

Bevor ich Reinhard Sprengers neuestes Buch kannte, habe ich mit Begeisterung kritische Bücher zum Thema Globalisierung gelesen. Ich habe SPD, die Grünen oder ÖDP gewählt und an die so genannte soziale Gerechtigkeit in unserem Staat geglaubt. Die Umverteilung im Rahmen der »sozialen Marktwirtschaft« erschien mir gerecht, denn natürlich gibt es Menschen, die ohne eigene Schuld in Notlage geraten und auf die Hilfe der Gemeinschaft angewiesen sind.
An meiner sozialen Einstellung hat sich nichts geändert, aber durch Sprengers Buch — und danach noch durch viele andere (Roland Baader, Hans Herrmann Hoppe, Friedrich Hayek) — wurde mir klar, dass wir durch staatliche Umverteilung eigentlich gar nicht sozial handeln. In vielen Fällen wird mit dem vermeintlichen Schutz der zu Schützende eher benachteiligt: Wer stellt noch Behinderte ein, wenn die einen speziellen Kündigungsschutz genießen?
Ich muss auch zugeben, dass ich Bücher mit demselben Inhalt von irgendeinem anderen Autor wahrscheinlich gleich wieder mit dem Vorurteilsetikett und Schimpfwort »neoliberales Gedankengut« ins Regal gestellt hätte. Aber Sprenger hatte sich bei mir durch seine fünf vorausgegangenen Bücher einen gehörigen Vorschuss erarbeitet und so habe ich seine Gedanken — so wie er es immer fordert — nicht gleich verworfen, sondern zunächst einmal geprüft, was sie mir sagen können.
Heute ist mir klar, dass Subventionen nichts sind als Stimmenkauf mit dem Geld fremder Leute und schlimmer noch: Sie haben nicht nur keine positive Wirkung, sondern sie schaden auch noch, weil sie den Empfänger, der offensichtlich kein rentables Unternehmen führt, stärken und seine Konkurrenten schwächen, obwohl die rentabel arbeiten.
Umverteilung gibt es oft auch von unten nach oben: Wenn das Studieren kostenlos ist, profitieren davon die Kinder von Akademikern, denn die studieren 8-mal häufiger als die Kinder von Arbeitern. Der Arbeiter finanziert also das Studium des Akademikerkindes. Ebenso ist es mit Theaterkarten: Wer nicht ins Theater geht, subventioniert den, der nun Karten kaufen kann, die nur ein Bruchteil von dem kosten, was sie eigentlich kosten müssten. Wer gerne Konsalik liest, subventioniert durch die Buchpreisbindung den, der die Lyrik eines Autoren schätzt, der ohne Buchpreisbindung mindestens das Doppelte kosten würde.
An diesen und unzähligen anderen Beispielen erfährt der Leser, warum Mindestlöhne, Kündigungsschutz und Gewerkschaften genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie sollen und deshalb Arbeitsplätze kosten.
Auf meiner Bestenliste stand viele Jahre das Buch »Ganzheitlich Handeln« von Ken Wilber an erster Stelle. »Der dressierte Büger« hat dieses Buch jetzt auf den zweiten Platz verdrängt.

Reinhard Sprenger hat mir erzählt, dass er sein Buch nach der Lektüre von Wolf Schneiders »Deutsch fürs Leben« komplett überarbeitet hat und man deshalb die Verben jetzt etwas weiter vorn im Satz findet. Wenn sich Schreibtalent mit Schreibhandwerk und starkem Inhalt paart, dann ist das Ergebnis meist ein großes Lesevergnügen.

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Texter Eberhard Kohlhas