Das Silberkomplott
Eine Rezension von Reinhard Deutschs »Silberkomplott«, die ich für Eigentümlich-frei geschrieben habe.
Von Oliver Heuler
Das neue Buch von Reinhard Deutsch ist eine verständlich und nicht zu trocken geschriebene Geschichte des Geldes. Selbst wer Rothbards »Schein-Geld-Systems« und Baaders »Geld, Gold und Gottspieler« schon kennt, wird sich beim Lesen des Silberkomplotts nicht langweilen. In der ersten Hälfte des Buches werden die historischen Fakten äußerst detailliert beschrieben. Quelle war hier das Buch von Stephen Zarlenga »Der Mythos vom Geld – die Geschichte der Macht«. In dieser chronologischen Nacherzählung der Geschichte präsentiert Deutsch die überraschende Erkenntnis, dass ein reiner Goldstandard schon der erste Schritt in Richtung eines ungedeckten Papiergeldsystems ist. Ideal wäre ein Bimetallstandard, bei dem der Preis des Goldes sich nur in Silber ausdrücken lässt und der Preis des Silbers nur in Gold. Dieser so genannte Bimetallismus muss auch nicht von der Regierung festgelegt oder verordnet werden, denn der ergibt sich von alleine, wenn man den Geldmarkt sich selber überlässt. Dabei bestünde auch keine Notwenigkeit, die Münzprägung zu monopolisieren. Im Gegenteil: Ein freies Münzprägerecht ist die beste Sicherung gegen Betrug.
Sobald allerdings lediglich das Verhältnis von Gold zu Silber von Staatsseite festgelegt wird — zum Beispiel: ein Goldstück entspricht fünfzehn Silberstücken —, wird entweder das Gold oder das Silber schnell aus dem Umlauf verschwinden. Ist beispielsweise das Silber auf dem freien Markt eigentlich mehr wert als der staatliche verordnete Umtauschkurs festlegt, wird niemand Silber für Einkäufe verwenden, sondern es wird gehortet oder im Ausland gegen Gold getauscht (Stichwort: Greshamsches Gesetz).
Nach einer gewissen Zeit haben sich die Menschen daran gewöhnt, dass nur noch Gold Geld ist und Silber wurde erfolgreich entmonetarisiert. Wenn Silber schließlich nur noch ein Rohstoff ist und nicht mehr Geld, verliert es erheblich an Wert. Genau das ist nach dem amerikanischen »coinage act« 1873 passiert, indem der Silberdollar mit ca. 22 Gramm und der Zehn-Dollar-Gold-Eagle mit ca. 1,5 Gramm festgelegt wurde. Der Preis des Goldes drückt sich nun in einer neuen Einheit aus, dem Dollar. Und da es wenig Sinn ergibt, Dollar in Papier auszudrücken, dreht man die Sache einfach um und drückt den Wert des Papiers in Gold aus. Jetzt braucht man die Golddeckung nur immer weiter reduzieren und schließlich abschaffen (Bretton Woods 1944, Auflösung der Goldkonvertibilität: 1971).
Am spannendsten wird Deutschs Buch als er Edward G. Griffin die Geschichte von Jekyll Island erzählen lässt. Auf dieser Insel trafen sich sieben reiche Männer und ersannen die FED. Griffins Buch zu dem Thema »The creature of Jekyll island« wurde leider nie übersetzt. Aber die von Deutsch übersetzten 20 Seiten eines Vortrages von Griffin motivieren, diesen Autoren, der in Deutschland noch relativ unbekannt ist, genauer zu studieren. Zurück zum Silberkomplott: Die Quintessenz des Buches bei der Frage der Geldanlage lautet bei Reinhard Deutsch nicht Gold, sondern Silber, weil das Preisverhältnis zu Gold derzeit 1:48 beträgt und deshalb weit vom Verhältnis 1:10 entfernt ist, das Deutsch als natürlich bezeichnet. Die Frage bleibt jedoch, ob Silber im Falle eines Zusammenbruchs der Papierwährungen sich mit Gold tatsächlich wieder zu Geld entwickeln wird oder ob Silber sich einfach wie die anderen Rohstoffe verhält, die im Falle einer Rezession natürlich in wesentlich geringerem Umfange nachgefragt würden.
Auf jeden Fall werden wir in Zukunft Silber nicht mehr aus einem Grund benötigen, der früher wichtig war: Eine Goldmünze war — und ist heute noch — viel zu wertvoll, um Brötchen zu kaufen, eine Briefmarke oder eine Zeitung. Da ist Silber besser geeignet. In Zukunft könnten aber auch die kleinsten Geschäfte elektronisch abgewickelt werden und bei Firmen wie eGold, GoldMoney oder e-Dinar, die Deutsch am Schluss seines Buches vorstellt, kann man natürlich kleinste Beträge in Gold überweisen.
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