PAD-Rundenanalyse

Roland Becker und ich haben vor ein paar Jahren eine Rundenanalyse entwickelt, die bei minimalem Aufwand maximale Informationen bereitstellt.

Von Oliver Heuler

»Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung.«
Hermann Josef Abs (1901-94), dt. Bankier

PAD-Rundenanalyse (Putt, Annäherung, Drive)

Wenn man den ersten Drive links ins Rough pullt und den provisorischen genauso weit nach rechts pusht, waren die Abschläge — statistisch gesehen — schnurgerade und liegen nun in der Mitte des Fairways. Solche Analysen helfen uns ungefähr so viel wie ein Gesangsbuch beim Klären von Regelfragen. Statistik wird beim Golf leider immer benötigt, wenn es die Schwächen eines Spielers zu analysieren gilt. Bei den meisten mitunter seitenlangen Rundenanalysen liegt der Brennwert jedoch weit über deren Gebrauchswert und das schließt meine alte AGAPS-Analyse mit ein. Schlimmer noch, bei manchen Analysen erscheint sogar alles so logisch, dass man gar nicht merkt, wie unsinnig die Schlussfolgerungen sind.

Bei einem Tourspieler setzen sich durchschnittlich 70 Schläge zusammen aus:
28 Putts, 11 Annäherungen und 31 vollen Schlägen.
Bei einem Spieler, der 110 Schläge benötigt, sind es:
40 Putts, 24 Annäherungen und 46 volle Schläge.
Der 110-Spieler könnte demnach folgende Ersparnisse verwirklichen:
12 Schläge beim Putten (40 Putts minus 28 Putts)
13 Schläge beim Annähern (24 Annäherungen minus 11 Annäherungen)
15 Schläge beim langen Spiel (46 Schläge minus 31 Schläge)

Das ist ziemlicher Humbug, denn die Bestandteile des Spiels sind voneinander abhängig. Mit anderen Worten: Wenn ich meine langen Schläge oder meine Annäherungen näher an die Fahne bringe, brauche ich auch bei gleichem Puttniveau weniger Putts. Inzwischen hat sich zumindest teilweise herumgesprochen, dass die Aussagekraft der Puttzahl pro Runde gegen null geht. Wer 14 Grüns trifft, wird natürlich bei gleich guten Putts viel häufiger putten als jemand, der praktisch keine Grüns trifft und dessen Ball nach kurzen Annäherungen viel näher am Loch liegt. 30 Putts pro Runde kann also ein sehr guter Wert sein oder ein ganz übler, je nach Zahl der Grüntreffer. Selbst wenn man nur die Zahl der Putts auf den getroffenen Grüns vergleicht, ist sie stark davon abhängig, wie gut das lange Spiel ist. Bei Annäherungs-Auswertungen wurde in der Vergangenheit oft ein Fehler gemacht (die Annäherungsquote bezeichnet die Zahl der Schläge, die man aus einem Umkreis von 40 Metern benötigt, um den Ball ins Loch zu bekommen): Man hat einfach den Unterschied zwischen der Annäherungsquote auf der Tour (2,4) und der des Spielers (beispielsweise 3,0) voll der jeweiligen Annäherung zugerechnet. In Wirklichkeit ist eine schlechte Annäherungsquote jedoch das Ergebnis von schlechten Annäherungen und/oder schlechten Putts. Besonders deutlich wird das Problem, wenn ein Spieler einen Bunkerschlag und drei Putts gemacht hat. Da ist eine Annäherungsquote von 4,0 völlig fehlleitend, denn der größte Verlust kam hier durchs Putten zustande.

Bei der Beurteilung der Drives reicht es auch nicht, einfach nur die Zahl der getroffenen Fairways abzufragen. Mindestens genauso wichtig ist deren Länge. Die Unfähigkeit, einen geraden langen Drive zu schlagen, kostet unglaublich viele Schläge und das wurde in kaum einer Rundenanalyse deutlich. Und so kommt es dann, dass die ganze Welt glaubt, dass grundsätzlich das kurze Spiel für unsere miese Vorgabe verantwortlich sei.

Die tatsächlich mögliche Ersparnis erhält man nur, wenn ein Tourspieler gemeinsam mit dem Amateur einen Ball spielt. Spielt der Amateur ein paar Runden lang die langen Schläge sowie die Annäherungen und puttet der Pro den Ball schließlich ins Loch, weiß man am Ende, wie viele Schläge der Amateur beim Putten hätte sparen können. Spielt der Pro alle langen Schläge und der Amateur nähert an und puttet, bekommt man die mögliche Ersparnis beim langen Spiel.

Ralph Mann hat das in einer bis jetzt noch nicht veröffentlichten Untersuchung gemacht und fand auch heraus, dass die meisten Spieler, besonders die mit mittleren und hohen Vorgaben, an ihren langen Schlägen und Drives arbeiten sollten und nicht am Putten. Damit Sie jetzt nicht mit einem Tourpro auf die Runde gehen müssen, haben wir alle aktuellen Daten der Tour und die Ergebnisse von Mann in unsere Auswertungsformeln einfließen lassen. Wenn Ihre Runden schon übers Intranet eingespeist sind, müssen Sie nun lediglich Putts, Annäherungen und Drives nachtragen, um eine aussagekräftige Analyse darüber zu erhalten, wo Sie Ihre Schläge verlieren.

Wie geht’s los?

Am Anfang sollten Sie während des Turniers eine zweite Scorekarte verwenden, um dort die nötigen Daten einzutragen. Danach werden dann die folgenden Werte in dieses Formular übertragen:

Putts
In der ersten Spalte nach den Lochergebnissen werden die Putts eingetragen. Nur Schläge auf dem Grün — und nicht die vom Vorgrün — werden als Putts gezählt. Putts vom Vorgrün oder vom Fairway fallen unter Annäherungen und werden dort verbucht bei »T« (für Texas-Wedge).

Annäherungen
In der zweiten Spalte werden die Annäherungen aus maximal 40 Metern eingetragen. Es stehen vier Buchstaben zur Verfügung: »B« für Bunkerschlag, »C« für Chip, »P« für Pitch, und »T« für Texas-Wedge (Putter vom Vorgrün). Sind an einem Loch mehrere Annäherungen nötig, werden die entsprechenden Buchstaben hintereinander geschrieben: »BC« bedeutet dann: es wurde zuerst aus dem Bunker geschlagen und dann gechippt. Der Übergang von Chips zu Pitches ist natürlich fließend. Wir empfehlen, die Unterscheidung von der Flughöhe abhängig zu machen: Hohe Annäherungsschläge sind Pitches, flache sind Chips. Wenn Sie aus über 40 Metern das Grün getroffen haben, bleibt diese Spalte einfach frei.

Drives
In der nächsten Spalte werden die Drives eingetragen. Drives werden nur an Par 4 und Par 5 Löchern analysiert. Ein Häkchen bedeutet, dass das Fairway getroffen wurde und der Ball in einer akzeptablen Länge auf der Spielbahn liegt. Akzeptabel heißt, der Ball hatte mindestens 90% der Länge eines gut getroffenen Drives. Kein Häkchen bedeutet, dass der Ball im Rough, im Fairwaybunker oder zu kurz auf dem Fairway liegt. Schlägt man an einem langen Loch mit einem Fairwayholz oder einem Eisen ab, gilt das auch als Drive und die geringere Schlagweite muß dann in dem folgenden Dropdown-Menü berücksichtigt werden. In diesem Fall müssen natürlich nur 90% der Länge eines optimalen Schlages mit diesem Schläger erreicht werden, um das Fairway als getroffen verbuchen zu können.

In dem Dropdown-Menü unter der Scorekarte geben Sie die durchschnittliche Länge Ihrer normal getroffenen Drives ein. Von diesem Menü wusste Otto von Bismarck offensichtlich noch nichts, als er schrieb: »Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.« Es ist jedoch so, dass Sie mit überhöhten Werten nur die Auswertung verfälschen. Ist die Zahl hier größer als der tatsächliche Drive, wird lediglich die Zahl der einzusparenden Schläge beim restlichen langen Spiel verfälschend aufgebläht.

Beim Vermessen sollten Sie auch nicht den gleichen Fehler machen wie die Kommentatoren im Fernsehen. Wenn man an einem Dogleg, das offiziell 400 Meter lang ist, nach dem Abschlag nur noch knapp 100 Meter zum Grün hat, bedeutet dies nicht, dass der Drive die 300-Meter-Marke überschritten hat. Zum richtigen Messen brauchen Sie entweder einen Laser oder eine gute Birdie-Karte. Bedenken Sie auch, dass die Abschläge selten am Vermessungspunkt stecken. Diese Differenz muß also noch abgezogen werden, auch wenn das sehr schmerzlich fürs Ego ist. Dafür dürfen Sie nicht nur die Carry-Länge eintragen, sondern die Länge inklusive Ausrollen. An trockenen Tagen wird dieser Wert also eher hoch, bei schwerem Boden eher niedrig sein.

Grüns
In der nächsten Spalte werden die getroffenen Grüns angezeigt. Das geschieht automatisch. Eine grüne Eins bedeutet, dass das Grün regulär (engl: Green in Regulation = GIR), d.h. mit zwei Schlägen unter Par getroffen wurde. Negative Zahlen bedeuten, dass das Grün nicht nur verfehlt wurde (kein Eintrag), sondern mindestens ein Schlag verloren ging.

Auswertung
Am Ende steht dann eine Auswertung, die Ihnen genau sagt, wo Sie wie viele Schläge im Vergleich zum Tourspieler verloren haben. Dieser Golfer kann am meisten Schläge sparen, wenn er sein Driven und sein langes Spiel verbessert:

Die PAD-Analysen bei mygolf.de sind kostenlos und Sie können sich mit unzähligen Golfern Ihrer Vorgabe vergleichen.

5 Kommentare

1 Georg Janhsen { 10.20.08 at 12:08 }

Sehr geehrte Entwickler von PAD,

vielen Dank das sie diese Form der Analyse aug mygolf.de zur Verfügung stellen.
Trotzdem dazu eine Frage:
Gibt es weitere Möglichkeiten dieser Form der Auswertung als Software zu nutzen. Auf Mygolf ist es ja leider nicht möglich alle Daten einer Trainingsgruppe, z. Bsp. für den Pro, zusammen zu fassen.

Wenn Sie dazu einen Tip o. ä. wäre ich ich für eine Antwort sehr verbunden.

MfG
G. Janhsen

2 admin { 10.20.08 at 18:02 }

Leider nein, und im Moment habe ich auch keine Pläne, mich in der näheren Zukunft beim Thema Rundenanalysen weiter zu engagieren.

Gruß Oliver

3 Anthony Biasio { 11.17.08 at 22:16 }

Servus aus der Schweiz

Ich bin Golflehrer (SPGA) und bin sehr an der PAD-Rundenanalyse. Da ich nicht im DGV bin kann ich mich leider nicht Einloggen :-) Gibt es eine andere Möglichkeit?

Gruss aus der Schweiz!
Anthony

4 admin { 11.17.08 at 22:33 }

Ich kenne leider keine. Am besten direkt bei der golf.de anfragen.

5 Dirk Illenberger { 04.22.11 at 13:23 }

Die PAD-Analyse ist stark verwandt mit der AGAPS-Analyse. Diese kann auf myScore.de ebenfalls kostenlos durchgeführt werden - und zwar für jedermann, nicht nur Spieler des DGV.

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Texter Eberhard Kohlhas