Evolution der Ebene

Von Hogan und Kelley, über Leadbetter und Pugh, zu Haney und Heuler: Ein Artikel aus dem Jahr 2003 zum Modell der Schwungebene.

Von Oliver Heuler

Die Schwungebene ist eine der wesentlichen Elemente im Golfschwung – da sind sich die Experten einig. Uneinig sind sie »lediglich« darüber, wie die optimale Schwungebene aussieht. Hier werden die einzelnen »Evolutionsstadien« beschrieben und dann eine Synthese vorgestellt.

Ben Hogan

Ben Hogan hat 1957 in seinem Buch »The Modern Fundamentals of Golf« als erster den Begriff der Schwungebene popularisiert. Er hat sich eine Glasscheibe vorgestellt, die von den Schultern zum Ball hinabreicht – mit einem Loch, durch das der Hals passt. Hogan forderte, dass sich der Schläger und die Arme zu jeder Zeit des Schwunges unter der Ebene befinden sollen. Im höchsten Punkt des Ausholens sollte der linke Arm parallel zur Ebene sein. Die Schräge von Hogans Ebene wird ausschließlich durch die Körpergröße und den Abstand zum Ball definiert: Je kleiner der Spieler oder je größer der Abstand zum Ball, was bei längeren Schlägern zwangsläufig der Fall ist, desto flacher die Schwungebene. Diese Theorie war ein großer Schritt nach vorn, auch wenn sie nach heutigen Maßstäben einige Fehler aufweist und die Proportionen in den Zeichnungen deshalb falsch gezeichnet werden mussten.

Ebene Hogan

 

Homer Kelley

Homer Kelley hatte 1967 eine neue Idee zur Schwungebene: Seine Ebene wird durch den Lie des Schlägers bestimmt und ist somit viel flacher als die von Hogan. Der Schläger sollte sich aber auf dieser Ebene auch nur 90º links und rechts vom Ball bewegen. Während des Schwunges sollte der Schläger zu jeder Zeit entweder mit einem Ende des Schaftes auf die Ziellinie zeigen oder, wenn er sich parallel zum Boden befindet, auch parallel zur Ziellinie sein. In seinem Buch wurde als Modell absichtlich eine Frau herangezogen, die noch nie Golf gespielt hat.

Ebene Kelley

 

John Jacobs

John Jacobs war 1973 der erste, der in seinem Buch die flachere Ebene der Schultern in seinem Modell berücksichtigte, indem er in die Ebene von Hogan eine Klappe »einbaute«, die es den Schultern erlaubt, sich auf der Schräge zu drehen, die der Neigung des Oberkörpers entspricht und viel geringer ist als die Senkrechte zur Ebene.

Diese Ebene verdeutlichte seine Vorstellung vom Schwung, bei dem die Arme relativ aufrecht hoch und runter schwingen und sich die Schultern relativ flach nach vorne und hinten drehen.

Ebene Jacobs

 

Hank Haney

Hank Haney vertrat ab der Mitte der achtziger Jahre die Meinung, dass der Schlägerschaft während des ganzen Schwunges parallel zur ursprünglichen Schlägerebene sein sollte. Diese ursprüngliche Ebene entsprach der von Kelley und wurde durch den Lie des Schlägers bestimmt. Damit würde der Schaft zwar während des Schwungs immer auf unterschiedliche Punkte zeigen, jedoch seine Lage im Raum würde so konstant bleiben. Die Computeranimation aus meinem Video (Restbestände erhältlich über den Autor) illustriert diese Theorie anschaulich. Beide Files zeigen das Gleiche. Das AVI-File benötigt jedoch einen Codec.

Ebenen Model in der Compueranimation
Computeranimation: ebene.mpg (1,8 MB)

ebene.avi (0,7 MB) benötigt DivX-Codec

 

David Leadbetter

David Leadbetter popularisierte Ende der achtziger Jahre die Idee, dass die Armebene im höchsten Punkt des Ausholens parallel zur ursprünglichen Schlägerebene sein sollte, die durch den Lie des Schlägers bestimmt ist.

Weiterhin sah seine Ebenen-Theorie vor, dass der Schlägerschaft beim Ausholen bedeutend steiler sein sollte als beim Abschwung. So sollte das Griff-Ende, wenn der Schläger ca. 180º zurückgelegt hat, nicht auf den Ball zeigen, so wie bei Kelley, oder leicht außerhalb, so wie bei Haney, sondern in die Mitte zwischen Ball und Füße. Da der Schlägerschaft seiner Meinung nach im Abschwung immer flacher wird, sollte die steilere Ausholebene dafür sorgen, dass sich der Schläger beim Abschwung in der richtigen Ebene befindet. Bei diesem Modell wird der Schläger im höchsten Punkt des Ausholens zwangsläufig rechts am Ziel vorbei zeigen, also kreuzen.

Ebene Leadbetter

 

Denis Pugh

Denis Pugh stellte 1991 seine Theorie von der Plane-Cone vor. Sie besteht aus zwei Linien, die eine Tüte (engl.: Cone) formen. Die eine Linie wird durch den Schläger Lie definiert; die andere durch den Ball und die Position des Griff-Endes im höchsten Punkt des Ausholens. Während des Schwungs sollte kein Teil des Schlägers oder der Arme außerhalb der Tüte geraten.

Ebenen-Tüte

 

Synthese

Die PGA of Germany benutzt in Ihrem Lehrmodell eine Synthese aus diesen unterschiedlichen Theorien. Diese Theorie berücksichtigt alle drei relevanten Ebenen: die des Schlägers, die der Arme und die der Schultern. Die Ebene des Schlägers wird durch dessen Lie bestimmt (Kelley) und soll sich während des Schwunges auch nicht verändern (Haney). Der Schläger befindet sich zwar nur 90º links und rechts vom Ball genau auf der Ebene; er ist aber, mit Ausnahme der Endposition, immer parallel zu ihr. Wenn der Schläger parallel zum Boden ist, so soll er auch parallel zur Ziellinie sein. Die Ebene der Arme wird ebenfalls durch den Lie des verwendeten Schlägers bestimmt und ist im höchsten Punkt des Ausholens parallel zur ursprünglichen Schlägerebene (Leadbetter). Somit variiert die Armebene auch je nach gewähltem Schläger zwischen 55 und 63º. Die Schultern drehen sich immer senkrecht zur Oberkörperneigung, die etwa 30º beträgt (Jacobs). Somit ist die Schulterebene, unabhängig vom Schläger, immer 30º zur Waagerechten angeschrägt.

Ebene Heuler

 

Um zu überprüfen, ob die Armebene im höchsten Punkt des Ausholens stimmt, reicht jedoch der Checkpunkt von Leadbetter (Arm parallel zur Ebene) nicht aus. Es gibt dazu sechs Checkpunkte, die angewendet werden können. Je nach Körperproportionen eignen sich verschiedene. Wenn man alle sechs Punkte überprüft, ergibt sich fast immer eine klare Tendenz.

Ebene Checkpunkte

 

Hier wird die nächste Stufe der Evolution beschrieben.

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